Im Dialog mit unseren Lieferanten: gemeinsam die Basis für HREDD schaffen
Verantwortungsvolles Wirtschaften heisst für uns nicht nur, Standards einzuhalten, sondern mit den Menschen zu sprechen, die entlang unserer Lieferketten arbeiten. Genau das ist die Idee hinter «Human Rights and Environmental Due Diligence» (HREDD): Unternehmen prüfen systematisch, wo in ihrer Lieferkette Risiken für Mensch und Umwelt bestehen, idealerweise gemeinsam mit den Betroffenen.
Fairtrade versteht HREDD als Kreislauf aus Verpflichtung, Risikoerkennung, Massnahmen sowie Wirkungsprüfung und Kommunikation. Zertifizierungen und Audits sind dabei ein Baustein. Die Verantwortung tragen aber auch die Unternehmen in der nachgelagerten Wertschöpfungskette mit. Hier setzen die HREDD-Dialoge von Fairtrade an: ein moderierter, direkter Austausch zwischen Unternehmen und Produzent:innen. Denn im persönlichen Gespräch zeigen sich Probleme und ihre Zusammenhänge präziser als in jedem Auditbericht.
Ein Pilotprojekt mit MACFAWA auf den Philippinen
Als Familienunternehmen in vierter Generation setzen wir seit jeher auf Beziehungen entlang der ganzen Kette. Deshalb beteiligen wir uns an einem HREDD-Pilotprojekt von Fairtrade, gemeinsam mit der Maria Cecilia Farm Workers Association (MACFAWA). Die Fairtrade-zertifizierte Vereinigung von Zuckerrohr-Kleinbäuer:innen liefert uns ihren Mascobado-Zucker über unseren langjährigen Partner Alter Trade. Viele Mitglieder waren früher Landarbeiter:innen im Hacienda-System und wurden durch die Agrarreform selbst zu Landbesitzer:innen.
Die Risikoanalyse als Ausgangspunkt
Nach einer externen Standortbestimmung unserer eigenen Sorgfaltsprüfung stand die Risikoanalyse, die MACFAWA zusammen mit einem exterenen HREDD-Experten erarbeitet hatte, im Zentrum: In einem partizipativen Workshop identifizierten und priorisierten rund 25 MACFAWA-Mitglieder die Risiken, die für ihre Community am relevantesten sind. Diese wurden ergänzt durch Interviews mit weiteren Bäuer:innen und Fokusgruppen Darauf aufbauend bereiteten wir uns im Austausch mit Fairtrade auf zwei direkte Dialoge vor.
HREDD-Risikoanalyse auf Gemeinschaftsebene: Interviews mit Bäuer:innen, durchgeführt vom HREDD-Team von MACFAWA
Die Fokusgruppe der Kinder und Jugendlichen präsentieren ihre Perspektive auf die Herausvorderungen vor Ort dem Vrostand und der HREDD Arbeitsgruppe von MACFAWA
HREDD-Workshop. Gemeinsam identifizieren die MACFAWA-Mitglieder Umwelt- und Menschenrechtsrisiken in ihrer Gemeinschaft.
Was verändert der direkte Dialog
Beim ersten Dialog im Sommer 2025 stand die Diskussion, um die von MACFAWA erarbeitete Risikoanalyse im Zentrum. Dieser Austausch zeigte wie eng Einkommen, Klimarisiken, Gesundheitsversorgung und Arbeitsbedingungen zusammenhängen. Ein Beispiel: Viele Produzent:innen müssen Löhne und Betriebsmittel mit teuren Krediten vorfinanzieren, und ein Teil des Ernteeinkommens fliesst direkt in die Rückzahlung. Aus dem allgemeinen Risiko «unzureichendes Einkommen» wurde so die konkrete Frage, wie sich der Zugang zu bezahlbarer Finanzierung verbessern lässt.
Kurz darauf traf ein Taifun die Region und beschädigte Ernten und Infrastruktur. Der zweite Dialog musste auf Ende Oktober 2025 verschoben werden. Der Fokus lag auf den möglichen Risikoreduktionsmassnahmen.Welche davon MACFAWA selbst umsetzen kann und wo Unterstützung von aussen nötig ist. Auch Kinder und Jugendliche brachten ihre Ergebnisse aus den Fokusgruppen in die Diskussion mit ein. Neben der Finanzierung wurden unter anderem medizinische Notfalltransporte, zusätzliche Einkommensquellen und ein besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung diskutiert.
Die Dialogformate haben wir online durchgeführt, wobei sich die Vertreter:innen von MACFAWA in einem Konferenzraum eines Hotel in der Nàhe getroffen haben, um stabile Internetverbindung garantieren zu können.
Überflutete Zuckerrohrfelder nach dem Typhoon
Vom Dialog zum Handeln
Eine Risikoanalyse zeigt, wo Risiken bestehen. Der Dialog hilft zu verstehen, warum sie bestehen und welche Massnahmen vor Ort sinnvoll sind. Als Nächstes prüfen wir mit MACFAWA, welche Massnahmen wir konkret unterstützen und mitfinanzieren können. HREDD heisst für uns nicht, jedes strukturelle Problem allein zu lösen, sondern dort Verantwortung zu übernehmen, wo wir Einfluss haben.
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt fliessen in die Weiterentwicklung unseres HREDD-Ansatzes ein und sollen künftig auch in anderen Lieferketten genutzt werden. Sie interessieren sich für unseren Ansatz? Melden Sie sich gerne bei uns.
Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Fairtrade Report über das Pilotprojekt oder in folgendem Fairtrade Blogbeitrag.
Fairtrade-Pilotprojekte: Echter Dialog kann das Risikomanagement stärken
Autor
Manuel Holzer
Leiter Nachhaltigkeit